Unpublished manuscript on group theory

Sophus Lie
(Ca. April 1883. Rough, unverified transcription from a manuscript in a private collection.)
  1. I.

    Giebt eine infinitesimale Transformation zwischen xx und yy, diesen Grössen die Increments

    x=ξ(xy)t,y=η(xy)t,\partial x=\xi(x\,y)\,\partial t,\qquad\partial y=\eta(x\,y)\,\partial t,

    so bezeichne ich dieselbe mit dem Symbole

    ξfx+ηfyoderξp+ηq.\xi\frac{\partial f}{\partial x}+\eta\frac{\partial f}{\partial y}\qquad\text{% oder}\qquad\xi p+\eta q.
  2. II.

    Enthält eine Gruppe die beiden inf. Transformationen

    B1f=ξ1p+η1q,B2f=ξ2p+η2q,B_{1}f=\xi_{1}p+\eta_{1}q,\qquad B_{2}f=\xi_{2}p+\eta_{2}q,

    so enthält die zugleich die inf. Trf.:

    (c1ξ1+c2ξ2)p+(c1η1+c2η2)q=c1B1f+c2B2f,(c_{1}\xi_{1}+c_{2}\xi_{2})p+(c_{1}\eta_{1}+c_{2}\eta_{2})q=c_{1}B_{1}f+c_{2}B% _{2}f,

    wo c1,c2c_{1},c_{2} arbiträre Constante sind.

  3. III.

    Unter derselben Voraussetzung enthält sie ebenfalls die inf. Transformationen

    B1(B2(f))B2(B1(f))\displaystyle B_{1}\bigl{(}B_{2}(f)\bigr{)}-B_{2}\bigl{(}B_{1}(f)\bigr{)} =(ξ1ξ2x+η1ξ2yξ2ξ1xη2ξ1y)p\displaystyle=\left(\xi_{1}\frac{\partial\xi_{2}}{\partial x}+\eta_{1}\frac{% \partial\xi_{2}}{\partial y}-\xi_{2}\frac{\partial\xi_{1}}{\partial x}-\eta_{2% }\frac{\partial\xi_{1}}{\partial y}\right)p
    +(ξ1η2x+η1η2yξ2η1xη2η1y)q=(B1B2).\displaystyle+\left(\xi_{1}\frac{\partial\eta_{2}}{\partial x}+\eta_{1}\frac{% \partial\eta_{2}}{\partial y}-\xi_{2}\frac{\partial\eta_{1}}{\partial x}-\eta_% {2}\frac{\partial\eta_{1}}{\partial y}\right)q=(B_{1}B_{2}).

    Um diesen Satz auch für Gruppen mit unendlich vielen Parametern zu beweisen, schreibt man die Gleichungen der betreffenden inf. Transformationen B1f,B2fB_{1}f,B_{2}f mit Berücksichtigung von Grössen zweiter Ordnung folgendermassen

    {x=ξ1t+(ξ1xξ1+ξ1yη1)t212+,y=η1t+(η1xξ1+η1yη1)t212+\left\{\begin{aligned} \partial x&=\xi_{1}\partial t+\left(\frac{\partial\xi_{% 1}}{\partial x}\xi_{1}+\frac{\partial\xi_{1}}{\partial y}\eta_{1}\right)\frac{% \partial t^{2}}{1\cdot 2}+\cdots,\\ \partial y&=\eta_{1}\partial t+\left(\frac{\partial\eta_{1}}{\partial x}\xi_{1% }+\frac{\partial\eta_{1}}{\partial y}\eta_{1}\right)\frac{\partial t^{2}}{1% \cdot 2}+\cdots\end{aligned}\right.
    {x=ξ2τ+()τ212+,y=η2τ+()τ212+\left\{\begin{aligned} \partial x&=\xi_{2}\partial\tau+(\ )\frac{\partial\tau^% {2}}{1\cdot 2}+\cdots,\\ \partial y&=\eta_{2}\partial\tau+(\ )\frac{\partial\tau^{2}}{1\cdot 2}+\cdots% \end{aligned}\right.

    führt dann zuerst die eine und sodann die zweite inf. Transformation aus und verlangt, dass die entstandene Transformation die Form

    {x=(c1ξ1+c2ξ2)σ+()σ212+,x=(c1η1+c2η2)σ+()σ212+\left\{\begin{aligned} \partial x&=(c_{1}\xi_{1}+c_{2}\xi_{2})\partial\sigma+(% \ )\frac{\partial\sigma^{2}}{1\cdot 2}+\cdots,\\ \partial x&=(c_{1}\eta_{1}+c_{2}\eta_{2})\partial\sigma+(\ )\frac{\partial% \sigma^{2}}{1\cdot 2}+\cdots\end{aligned}\right.

    besitzen soll.

  4. IV.

    Jede continuirliche Gruppe enthält infinitesimale Transformationen. Bei dem Beweise dieses Satzes scheint es mir nothwendig a priori gewisse Voraussetzungen zu machen. Es genügt z. B. festzustellen, dass die endliche Transformationen des Gruppes sich paarweise als invers zusammen ordnen lassen. Oder man könnte nur verlangen, dass die Gruppe eine identische Transformation enthält.

  5. V.

    Die endliche Transformationen der Gruppe lassen sich durch Wiederholung von ihren infinitesimalen erzeigen. Diesen Satz habe ich bewiesen für gruppen mit einer begrenzten Anzahl Parameters. Für Gruppen mit unendlich vielen Parameter stelle ich ihn a priori und zwar definitionsmässig fest.

  6. VI.

    Die infinitesimalen Transformationen einer Gruppe sind definirt durch eine oder mehrere partielle Differentialgleichungen

    Ωi(ξηξxξy2ξxyηxηy)=0.\Omega_{i}\!\left(\xi\ \eta\ \frac{\partial\xi}{\partial x}\ \frac{\partial\xi% }{\partial y}\ \cdots\frac{\partial^{2}\xi}{\partial x\partial y}\ \frac{% \partial\eta}{\partial x}\ \frac{\partial\eta}{\partial y}\ \cdots\right)=0.

    Dieselben sind wegen II linear und homogene.

  7. VII.

    Wenn gewisse Werthsysteme ξη\xi\eta gewisse lineare und homogene Gleichungen Ωi=0\Omega_{i}=0 erfüllen, und dasselbe der Fall ist mit allen Werthsystemen

    ξ1ξ2x+η1ξ2yξ2ξ1xη2ξ1y,ξ1η2x+η2η1y,\xi_{1}\frac{\partial\xi_{2}}{\partial x}+\eta_{1}\frac{\partial\xi_{2}}{% \partial y}-\xi_{2}\frac{\partial\xi_{1}}{\partial x}-\eta_{2}\frac{\partial% \xi_{1}}{\partial y},\quad\xi_{1}\frac{\partial\eta_{2}}{\partial x}+\cdots-% \eta_{2}\frac{\partial\eta_{1}}{\partial y},

    so erzeugen die inf. Transformationen eine Gruppe.

Diese Definitionen und Sätze genügen zur Bestimmung von allen unendlichen und continuirlichen Gruppen zwischen xx und yy. Insbesondern erlaubt der Satz III die Anzahl und Form der Relationen Ωi=0\Omega_{i}=0 anzugeben.

Lass mich hier nur den einfachsten Fall discuttiren. Lass mich annehmen, eine Gruppe sei bestimmt durch eine einzige Gleichung Ω=0\Omega=0, die überdies von ersten Ordnung ist. Da Ω\Omega linear und homogen sein soll, so wird

(Ω)Ω=Aξx+Bξy+Cηx+Dηy+Eξ+Fη=0(\Omega)\qquad\Omega=A\frac{\partial\xi}{\partial x}+B\frac{\partial\xi}{% \partial y}+C\frac{\partial\eta}{\partial x}+D\frac{\partial\eta}{\partial y}+% E\xi+F\eta=0

wo AFA\cdots F, Funktionen von xx und yy sind.

Ich nehme ferner an, dass die Gruppe keine Differentialgleichung erste Ordnung ϕ(x,y,yx)=0\phi\!\left(x,y,\frac{y}{x}\right)=0 invariant lasst. Dann lässt sich zunächst nachweisen dass

B=C=0,A=DB=C=0,\qquad A=D

ist.

Man betrachte in der That eine beliebige inf. Transformation ξp+ηq\xi p+\eta q der Gruppe in der Umbegung eines beliebigen Punktes x0,y0x_{0},y_{0} und entwickeln ξ\xi und η\eta in Potenzreihe

ξp+ηq\displaystyle\xi p+\eta q ={a0+a1(xx0)+b1(yy0)+}p\displaystyle=\{a_{0}+a_{1}(x-x_{0})+b_{1}(y-y_{0})+\cdots\}p
+{c0+d1(xx0)+f1(yy0)+}q.\displaystyle+\{c_{0}+d_{1}(x-x_{0})+f_{1}(y-y_{0})+\cdots\}q.

Berücksichtigt man nun II, so erkennt man dass zu jedem Punkte x0y0x_{0}y_{0} unbegrenzt viele inf. Transformationen gehören, für welche a0=c0=0a_{0}=c_{0}=0 ist. Solche inf. Transformationen sind, sage ich, von erste Ordnung in der Umgebung des Punktes x0y0x_{0}y_{0}. Sei

{α1(xx0)+β1(yy0)+}p+{δ1(xx0)+ϵ1(yy0)+}q\{\alpha_{1}(x-x_{0})+\beta_{1}(y-y_{0})+\cdots\}p+\{\delta_{1}(x-x_{0})+% \epsilon_{1}(y-y_{0})+\cdots\}q

das allgemein Symbol eines inf. Transformationen unsere Gruppe, die in der Umgebung von x0y0x_{0}y_{0} von erste Ordnung ist. Diese inf. Transformationen erste Ordnung genügen die Relation (Ω)(\Omega). Also besteht die Relation

A(0)α1+B(0)β1+C(0)δ1+D(0)ϵ1=0,A^{(0)}\alpha_{1}+B^{(0)}\beta_{1}+C^{(0)}\delta_{1}+D^{(0)}\epsilon_{1}=0,

wo A(0)D(0)A^{(0)}\cdots D^{(0)} die Werthe der Grössen ADA\cdots D bei der Substitution x=x0x=x_{0}, y=y0y=y_{0} bezeichnen.

Nun aber lassen die inf. Transformationen (P) sich als lineare Transformationen auffassen, welche die durch den Punkt x0y0x_{0}y_{0} gehenden Richtungen unter sich vertauschen.11endnote: 1 Vergl. hierzu Math. Ann. Bd. XVI, p. 469–472. [Editor’s note: see Lie (1880).] Dieser linear Gruppe darf keine solche Richtung invariant lassen indem sonst jedenfalls eine invariante Differentialgleichung ϕ(x,y,yx)=0\phi\!\left(x,y,\frac{y}{x}\right)=0 aufträte. Hieraus folgt leicht dass Ω0\Omega_{0} die Form

α1+ϵ1=0\alpha_{1}+\epsilon_{1}=0

besitzt. Hieraus folgt, dass Ω=0\Omega=0 die Form

(Ω0)ξx+ηy+Eξ+F=0(\Omega_{0})\qquad\frac{\partial\xi}{\partial x}+\frac{\partial\eta}{\partial y% }+E\xi+F=0

besitzt, wie behauptet wurde.

Es lässt sich ferner nachweisen, dass EE und FF partielle Differentialquotienten E=UxE=\dfrac{\partial U}{\partial x}, F=UyF=\dfrac{\partial U}{\partial y} eine gewissen Funktion UU sind.

Seien in der That ξp+ηq\xi p+\eta q und Xp+YqXp+Yq zwei inf. Transformationen unserer Gruppe; dann ist (III) auch22endnote: 2 Ich schreibe ξx\xi_{x} statt ξx\dfrac{\partial\xi}{\partial x}.

(Xξx+YξyξXxηXy)p+(Xηx+YηyξYxηYy)q(X\xi_{x}+Y\xi_{y}-\xi X_{x}-\eta X_{y})p+(X\eta_{x}+Y\eta_{y}-\xi Y_{x}-\eta Y% _{y})q

eine inf. Transformationen unserer Gruppe, und genügt somit (Ω1)(\Omega_{1}). Dies giebt eine Differentialgleichung zweite Ordnung zwischen ξηXY\xi\,\eta\,X\,Y, die sich in lass, da sowohl ξη\xi\,\eta wie XYX\,Y die Gleichung Ω1\Omega_{1} erfüllen, an eine Differentialgleichung erste Ordnung zwischen ξη\xi\,\eta, XYX\,Y reducirt. Betrachtet man in dieser Gleichung erste Ordnung Xp+YqXp+Yq als eine bestimmter inf. Transformation der Gruppe, ξp+ηq\xi p+\eta q als eine beliebigen inf. Transf. der Gruppe, so können wir schliessen dass die neue Differentialgleichung 1. O. mit Ω1\Omega_{1} identisch sein muss. Und hieraus folgt leicht dass

E0y=Fx\frac{\partial E_{0}}{\partial y}=\frac{\partial F}{\partial x}

und das wirklich Ω1\Omega_{1} die Form

(Ω2)ξx+ηy+Uxξ+Uyη=0(\Omega_{2})\qquad\frac{\partial\xi}{\partial x}+\frac{\partial\eta}{\partial y% }+\frac{\partial U}{\partial x}\xi+\frac{\partial U}{\partial y}\eta=0

besitzt.

Jetzt führt man statt xyx\ y neue Variabeln x1y1x_{1}\ y_{1}; dann wird

ξ1=x1xξ+x1yη,η1=y1xξ+y1yη.\xi_{1}=\frac{\partial x_{1}}{\partial x}\xi+\frac{\partial x_{1}}{\partial y}% \eta,\qquad\eta_{1}=\frac{\partial y_{1}}{\partial x}\xi+\frac{\partial y_{1}}% {\partial y}\eta.

Dabei ist es, wie eine kleine Rechnung zeigt, immer möglich die Variabeln x1y1x_{1}y_{1} derart zu wählen, dass (Ω2)(\Omega_{2}) die Form

ξ1x1+η1y1=0\frac{\partial\xi_{1}}{\partial x_{1}}+\frac{\partial\eta_{1}}{\partial y_{1}}=0

annimmt.

Hiermit haben wir somit den Satz.

Wird eine (unendliche) Gruppe bestimmt durch ein einzeln partielle Differentialgleichung erster Ordnung zwischen ξ\xi und η\eta, so kann man die unabhängige Variabeln xyx\ y derart wählen, dass die besprochen Definitionsgleichung die Form

ξx+ηy=0\frac{\partial\xi}{\partial x}+\frac{\partial\eta}{\partial y}=0

erhält.

. . . . . . . . . . . . . . . . .

Zu den obenstehenden Entwickelungen füge ich einige weitere Bemerkungen um das Wesen meiner Methoden klar zu stellen.

Seien vorgelegt zwei inf. Transformationen einer Gruppe, unter denen die eine von erster Ordnung ist und z. B. die Form

(xx0)q+=B1f(x-x_{0})q+\cdots=B_{1}f

besitzt, die zweite von zweite Ordnung ist und etwa die Form

(yy0)2p+=B2f(y-y_{0})^{2}p+\cdots=B_{2}f

besitzt. Dann ist die inf. Transformation B1(B2(f))B2(B1(f))B_{1}(B_{2}(f))-B_{2}(B_{1}(f)) von zweite Ordnung und besitzt die Form

2(xx0)(yy0)p(yy0)2q+2(x-x_{0})(y-y_{0})p-(y-y_{0})^{2}q+\cdots

Denn entsprechend habe ich den allgemeinen Satz

Ist B0fB_{0}f von mmter{}^{\text{ter}} Ordnung in der Umgebung des Punktes x0y0x_{0}y_{0}, und B1fB_{1}f von nnter{}^{\text{ter}} Ordnung, so ist B1(B2(f))B2(B1(f))B_{1}(B_{2}(f))-B_{2}(B_{1}(f)) von (m+n1)(m+n-1)ter{}^{\text{ter}}oder noch höherer Ordnung.

Kennt man in B1fB_{1}f die Glieder mmter{}^{\text{ter}} Ordnung und in B2fB_{2}f die Glieder nnter{}^{\text{ter}} Ordnung, so genügt das zu Bestimmung der Glieder (m+n1)(m+n-1)ter{}^{\text{ter}} Ordnung in B1(B2(f))B2(B1(f))B_{1}(B_{2}(f))-B_{2}(B_{1}(f)). Hieraus lässt sich z. B. den fundamentalen Schluss ziehen, dass unter den Definitionsgleichungen

Ωi(ξξx2ξxyη)=0\Omega_{i}\!\left(\xi\frac{\partial\xi}{\partial x}\cdots\frac{\partial^{2}\xi% }{\partial x\partial y}\eta\cdots\right)=0

einer Gruppe sich jedenfalls ein von nullter, erster oder zweiter Ordnung findet. Denn gesetzt es gab kein Relation Ωi\Omega_{i} von nullter, erster oder zweiter Ordnung, so gab es sicher zwei inf. Transformationen nullter Ordnung der Form

p+q+p+\cdots\qquad q+\cdots

es gab ferner vier inf. Transf. erster Ordnung

(xx0)p+,(yy0)p+,(xx0)q+,(yy0)q+(x-x_{0})p+\cdots,\quad(y-y_{0})p+\cdots,\quad(x-x_{0})q+\cdots,\quad(y-y_{0})% q+\cdots

es gab ferner sechs inf. Transformationen zweiter Ordnung die wir (indem wir zur Abkurzung x0=0y0=0x_{0}=0\ y_{0}=0 setzen) folgendermassen schreiben können:

x2p+,xyp+,y2p+,x2q+,xyq+,y2q+x^{2}p+\cdots,\quad xyp+\cdots,\quad y^{2}p+\cdots,\quad x^{2}q+\cdots,\quad xyq% +\cdots,\quad y^{2}q+\cdots

Jetzt combiniere ich diese sechs inf. Transformationen paarweise und wende III an. Dann liefern z. B. x2p+x^{2}p+\cdots und xyp+xyp+\cdots die inf. Transf. dritter Ordnung x2yp+x^{2}yp+\cdots. In dieser Weise erhalte ich die sechs inf. Transf. 3. O.:

x2yp+xy2p+y3p+x3q+x2yq+xy2q+x^{2}yp+\cdots\quad xy^{2}p+\cdots\quad y^{3}p+\cdots\quad x^{3}q+\cdots\quad x% ^{2}yq+\cdots\quad xy^{2}q+\cdots

Ich combiniere ferner die beide x2yp+x^{2}yp+\cdots und x2q+x^{2}q+\cdots und erhalte die Transformationen vierte Ordn.

x4p+2x3yq-x^{4}p+2x^{3}yq

die mit der Transf. p+p+\cdots combiniert eine neue inf. Transf. 3. O. liefert nämlich

4x3p+6x2yq+-4x^{3}p+6x^{2}yq+\cdots

Eine analoge Ueberlegung giebt die inf. Transformation

4x3q+6x2yp+-4x^{3}q+6x^{2}yp+\cdots

Hiermit sind acht unabhängige inf. Transformationen dritter Ordnung gefunden. Unter den Definitionsgleichungen Ωi=0\Omega_{i}=0 giebt es somit keine von dritte Ordnung.

Durch aehnliche Betrachtungen, findet man 10 unabhängige inf. Transformationen 4ter{}^{\text{ter}} Ordnung

x4p+x3yp+y4qx^{4}p+\cdots\quad x^{3}yp+\cdots\quad\cdots\quad y^{4}q

und erkennt so dass keine Gleichung Ωi=0\Omega_{i}=0 von vierter Ordnung ist u. s. w. Also:

Unter den Definitionsgleichungen

Ωi(ξξx2ξxyη)=0\Omega_{i}\!\left(\xi\frac{\partial\xi}{\partial x}\cdots\frac{\partial^{2}\xi% }{\partial x\partial y}\eta\cdots\right)=0

giebt es jedenfalls eine [Gruppe], deren Ordnung gleich 0, 1 oder 2 ist.

. . . . . . . . . . . . . . . . . .

Sodann ein Bischen über Gruppen, die eine Gleichung

f(xyyx)=0f\!\left(x\ y\ \frac{\partial y}{\partial x}\right)=0

invariant lassen.

Ist u(xy)=Const.u(x\ y)=\mathrm{Const.} das Integrale der invarianten Differentialgleichung, so führe ich x¯\bar{x} als neues xx ein ; hierdurch erhalten die inf. Transformationen der Gruppe der Form

ξ(x)p+η(xy)q\xi(x)p+\eta(x\ y)q

wo ξ\xi nur von xx abhängt. In dem ich mich jetzt auf meine Theorie der Gruppen mit einer begrenzter Anzahl Parameter stütze, erkenne ich leicht dass es wesentlich nur fünf Möglichkeiten giebt.

  1. a)

    Alle inf. Transformationen haben die Form

    η(xy)q\eta(x\ y)q
  2. b)

    alle inf. Transf. haben die Form

    cp+η(xy)qc=Const.cp+\eta(x\ y)q\qquad c=\mathrm{Const.}
  3. c)

    die inf. Transf. der Gruppe haben die Form

    (c1x+c0)p+η(xy)q(ci=Const.)(c_{1}x+c_{0})p+\eta(x\ y)q\qquad(c_{i}=\mathrm{Const.})
  4. d)

    die inf. Transf. haben die Form

    (c2x2+c1x+c0)p+η(xy)qci=Const.(c_{2}x^{2}+c_{1}x+c_{0})p+\eta(x\ y)q\qquad c_{i}=\mathrm{Const.}
  5. e)

    die inf. Transf. haben die Form

    X(x)p+η(xy)qci=Const.X(x)p+\eta(x\ y)q\qquad c_{i}=\mathrm{Const.}

    wo XX eine arbiträre Funktion von xx bezeichnet.

In jedem unter diesen fünf Fällen muss man die möglichen Formen von η(xy)\eta(xy) bestimmen. Als ein interessantes Beispiel führe ich diejenige Gruppe an deren inf. Transformationen die Form

X(x)p+X(x)yqX(x)p+X^{\prime}(x)yq

besitzen, wobei XX eine arbiträre Funktion von xx bezeichnet.

Notes

  • 1 Vergl. hierzu Math. Ann. Bd. XVI, p. 469–472. [Editor’s note: see Lie (1880).]
  • 2 Ich schreibe ξx\xi_{x} statt ξx\dfrac{\partial\xi}{\partial x}.

References

  • S. Lie (1880) Theorie der Transformationsgruppen I. Mathematische Annalen 16 (4), pp. 441–528. External Links: Link Cited by: endnote 1.

Time-stamp: "15.08.2026 13:17"