Unpublished manuscript on group theory
Sophus Lie
(Ca. April 1883. Rough, unverified transcription from a manuscript in a private
collection.)
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I.
Giebt eine infinitesimale Transformation zwischen und , diesen Grössen die
Increments
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so bezeichne ich dieselbe mit dem Symbole
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II.
Enthält eine Gruppe die beiden inf. Transformationen
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so enthält die zugleich die inf. Trf.:
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wo arbiträre Constante sind.
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III.
Unter derselben Voraussetzung enthält sie ebenfalls die inf. Transformationen
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Um diesen Satz auch für Gruppen mit unendlich vielen Parametern zu beweisen,
schreibt man die Gleichungen der betreffenden inf. Transformationen mit
Berücksichtigung von Grössen zweiter Ordnung folgendermassen
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führt dann zuerst die eine und sodann die zweite inf. Transformation aus und
verlangt, dass die entstandene Transformation die Form
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besitzen soll.
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IV.
Jede continuirliche Gruppe enthält infinitesimale Transformationen.
Bei dem Beweise dieses Satzes scheint es mir nothwendig a priori gewisse Voraussetzungen zu machen. Es genügt z. B. festzustellen, dass die endliche Transformationen des Gruppes sich paarweise als invers zusammen ordnen lassen. Oder man
könnte nur verlangen, dass die Gruppe eine identische Transformation enthält.
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V.
Die endliche Transformationen der Gruppe lassen sich durch Wiederholung
von ihren infinitesimalen erzeigen. Diesen Satz habe ich bewiesen für gruppen mit
einer begrenzten Anzahl Parameters. Für Gruppen mit unendlich vielen Parameter
stelle ich ihn a priori und zwar definitionsmässig fest.
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VI.
Die infinitesimalen Transformationen einer Gruppe sind definirt durch eine
oder mehrere partielle Differentialgleichungen
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Dieselben sind wegen II linear und homogene.
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VII.
Wenn gewisse Werthsysteme gewisse lineare und homogene Gleichungen
erfüllen, und dasselbe der Fall ist mit allen Werthsystemen
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so erzeugen die inf. Transformationen eine Gruppe.
Diese Definitionen und Sätze genügen zur Bestimmung von allen unendlichen und
continuirlichen Gruppen zwischen und . Insbesondern erlaubt der Satz III die
Anzahl und Form der Relationen anzugeben.
Lass mich hier nur den einfachsten Fall discuttiren. Lass mich annehmen, eine
Gruppe sei bestimmt durch eine einzige Gleichung , die überdies von ersten
Ordnung ist. Da linear und homogen sein soll, so wird
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wo , Funktionen von und sind.
Ich nehme ferner an, dass die Gruppe keine Differentialgleichung erste Ordnung
invariant lasst. Dann lässt sich zunächst
nachweisen dass
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ist.
Man betrachte in der That eine beliebige inf. Transformation der Gruppe
in der Umbegung eines beliebigen Punktes und entwickeln und in
Potenzreihe
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Berücksichtigt man nun II, so erkennt man dass zu jedem Punkte unbegrenzt
viele inf. Transformationen gehören, für welche ist. Solche inf. Transformationen sind, sage ich, von erste Ordnung in der Umgebung des Punktes .
Sei
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das allgemein Symbol eines inf. Transformationen unsere Gruppe, die in der Umgebung von von erste Ordnung ist. Diese inf. Transformationen erste Ordnung
genügen die Relation . Also besteht die Relation
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wo die Werthe der Grössen bei der Substitution
, bezeichnen.
Nun aber lassen die inf. Transformationen (P) sich als lineare
Transformationen auffassen, welche die durch den Punkt
gehenden Richtungen unter sich vertauschen.11endnote:
1
Vergl. hierzu
Math. Ann. Bd. XVI, p. 469–472. [Editor’s note: see
Lie (1880).] Dieser linear Gruppe darf keine solche Richtung
invariant lassen indem sonst jedenfalls eine invariante
Differentialgleichung aufträte.
Hieraus folgt leicht dass die Form
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besitzt. Hieraus folgt, dass die Form
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besitzt, wie behauptet wurde.
Es lässt sich ferner nachweisen, dass und partielle Differentialquotienten
, eine gewissen Funktion
sind.
Seien in der That und zwei inf. Transformationen unserer
Gruppe; dann ist (III) auch22endnote:
2
Ich schreibe statt .
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eine inf. Transformationen unserer Gruppe, und genügt somit . Dies giebt
eine Differentialgleichung zweite Ordnung zwischen , die sich in lass,
da sowohl wie die Gleichung erfüllen, an eine Differentialgleichung erste
Ordnung zwischen , reducirt. Betrachtet man in dieser Gleichung erste
Ordnung als eine bestimmter inf. Transformation der Gruppe,
als eine beliebigen inf. Transf. der Gruppe, so können wir schliessen dass die neue
Differentialgleichung 1. O. mit identisch sein muss. Und hieraus folgt leicht
dass
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und das wirklich die Form
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besitzt.
Jetzt führt man statt neue Variabeln ; dann wird
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Dabei ist es, wie eine kleine Rechnung zeigt, immer möglich die Variabeln
derart zu wählen, dass die Form
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annimmt.
Hiermit haben wir somit den Satz.
Wird eine (unendliche) Gruppe bestimmt durch ein einzeln partielle
Differentialgleichung erster Ordnung zwischen und , so
kann man die unabhängige Variabeln derart wählen, dass die
besprochen Definitionsgleichung die Form
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erhält.
. . . . . . . . . . . . . . . . .
Zu den obenstehenden Entwickelungen füge ich einige weitere Bemerkungen um
das Wesen meiner Methoden klar zu stellen.
Seien vorgelegt zwei inf. Transformationen einer Gruppe, unter denen die eine von
erster Ordnung ist und z. B. die Form
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besitzt, die zweite von zweite Ordnung ist und etwa die Form
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besitzt. Dann ist die inf. Transformation von zweite Ordnung und besitzt die Form
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Denn entsprechend habe ich den allgemeinen Satz
Ist von Ordnung in der Umgebung des Punktes ,
und von Ordnung, so ist
von oder noch höherer Ordnung.
Kennt man in die Glieder Ordnung und in die Glieder
Ordnung, so genügt das zu Bestimmung der Glieder Ordnung in
. Hieraus lässt sich z. B. den fundamentalen Schluss ziehen,
dass unter den Definitionsgleichungen
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einer Gruppe sich jedenfalls ein von nullter, erster oder zweiter Ordnung findet.
Denn gesetzt es gab kein Relation von nullter, erster oder zweiter Ordnung, so
gab es sicher zwei inf. Transformationen nullter Ordnung der Form
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es gab ferner vier inf. Transf. erster Ordnung
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es gab ferner sechs inf. Transformationen zweiter Ordnung die wir (indem wir zur
Abkurzung setzen) folgendermassen schreiben können:
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Jetzt combiniere ich diese sechs inf. Transformationen paarweise und wende III
an. Dann liefern z. B. und die inf. Transf. dritter Ordnung
. In dieser Weise erhalte ich die sechs inf. Transf. 3. O.:
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Ich combiniere ferner die beide und und erhalte die Transformationen vierte Ordn.
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die mit der Transf. combiniert eine
neue inf. Transf. 3. O. liefert nämlich
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Eine analoge Ueberlegung giebt die inf. Transformation
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Hiermit sind acht unabhängige inf. Transformationen dritter Ordnung gefunden.
Unter den Definitionsgleichungen giebt es somit keine von dritte Ordnung.
Durch aehnliche Betrachtungen, findet man 10 unabhängige inf. Transformationen 4 Ordnung
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und erkennt so dass keine Gleichung von vierter Ordnung ist u. s. w. Also:
Unter den Definitionsgleichungen
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giebt es jedenfalls eine [Gruppe], deren Ordnung gleich 0, 1 oder 2 ist.
. . . . . . . . . . . . . . . . . .
Sodann ein Bischen über Gruppen, die eine Gleichung
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invariant lassen.
Ist das Integrale der invarianten Differentialgleichung, so führe ich
als neues ein ; hierdurch erhalten die inf. Transformationen der Gruppe der Form
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wo nur von abhängt.
In dem ich mich jetzt auf meine Theorie der Gruppen mit einer
begrenzter
Anzahl Parameter stütze, erkenne ich leicht dass es wesentlich nur fünf Möglichkeiten giebt.
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a)
Alle inf. Transformationen haben die Form
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b)
alle inf. Transf. haben die Form
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c)
die inf. Transf. der Gruppe haben die Form
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d)
die inf. Transf. haben die Form
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e)
die inf. Transf. haben die Form
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wo eine arbiträre Funktion von bezeichnet.
In jedem unter diesen fünf Fällen muss man die möglichen Formen von
bestimmen. Als ein interessantes Beispiel führe ich diejenige Gruppe an deren inf.
Transformationen die Form
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besitzen, wobei eine arbiträre Funktion von bezeichnet.
Notes
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1 Vergl. hierzu
Math. Ann. Bd. XVI, p. 469–472. [Editor’s note: see
Lie (1880).]
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2 Ich schreibe statt .
References
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S. Lie (1880)
Theorie der Transformationsgruppen I.
Mathematische Annalen 16 (4), pp. 441–528.
External Links: Link
Cited by: endnote 1.
Time-stamp: "15.08.2026 13:17"